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Grundlage des Clickers

Was hinter dem Clicker steht

Konditionierte Bestärker und das Dopaminsystem

Der Klicker wird sehr eindrücklich als "Marker" oder als "Brücke" bezeichnet. Damit wird klar, was man mit ihm operativ betonen möchte. Es ist zum einen genau der Moment desjenigen Verhaltens, das unseren Vorstellungen entgegen kommt. (Das genau ist ja der Inhalt des Formens, Shaping, von Verhalten.) Zum anderen überbrückt man die Zeit zwischen dem Verhalten, um das es uns geht und der Bestärkung, die wir dafür vorgesehen haben. Je kürzer diese Zeit ist, desto wirksamer die Bestärkung.
Mit dem Klicker "erkaufen" wir uns Zeit, ohne an Wirksamkeit in der Bestärkung zu verlieren.

Wie kommt diese Wirkung zustande?
Wir benutzen die klassische (Pawlowsche) Konditionierung, um die Verbindung Klick - Belohnung aufzubauen. Das geht besonders schnell, wenn der Hund das Geräusch noch nicht kennt. In einer ablenkungsarmen Umgebung genügen ein bis vier Klicks, um diese Verknüpfung sicher zu stellen. Wirksam ist hier vor allem die Aufmerksamkeit, die alles Neue auf sich zieht. Danach, so beobachtet man, "weiß" der Hund, was das Klick-Geräusch bedeutet. Er erwartet die Belohnung!
Was man bei fast allen Hunden beobachten kann, ist der Versuch, den Klicker durch direktes Berühren oder Anstoßen zum erwünschten Geräusch zu veranlassen.
Der Hund bekommt eine Vorstellung von den Zusammenhängen.
Es git eine kognitive Dimension des Hundes.
Aber soweit sind es nur Beobachtungen und deren Interpretationen. Inzwischen weiß man mehr. Man hat sicherstellen können, dass ein solcher "konditionierter Bestärker" bereits das Dopamin-Belohnungssystem in Gang setzt. Wenn der Hund das Klick wahrnimmt, hat er sofort angenehme Empfindungen. Und so wird auch erklärlich, dass viele Hunde nach solchem Training "süchtig" werden. Hunde, die nur Gutes dabei erfahren haben, lieben den Klicker.
Wir können angenehme Empfindungen punktgenau in den Hund zaubern!

Eine weitere Entdeckung war verblüffend.
Wenn ein Bestärker voll vorhergesagt war, das Tier ihn erwartete, trat kaum eine Erhöhung der Dopaminaktivität auf! Das widersprach dem bisherigen Verständnis der Botenstoffe.
In letzter Zeit hat man noch eine viel wichtigere Folgeentdeckung gemacht.
Das Dopaminsystem wird ganz besonders aktiv, wenn ein "Vorhersagefehler" aufgetreten ist. Wenn eine nicht erwartete Belohnung erfolgte oder wenn eine erwartete Belohnung ausblieb, wenn also die Vorhersagen des Tieres über die nächste Zukunft sich als falsch erwiesen hatte.
Das sind offensichtlich die Momente, in denen ein Tier am intensivsten lernt. Nur bei sicheren Vorhersagen kann es sich in dieser Welt sicher bewegen.
Diese Befunde bestärken eine alte Theorie aus dem Gebiet des Behaviorismus (Tolman).

Quelle: W. Schultz Reward Signalling Prediction by Dopamin Neurons (Der Artikel beginnt mit der zweiten Seite)



Hunde haben, wie alle höheren Lebewesen, bestimmte Erwartungen und Vorstellungen an ihre Umwelt. Nero sucht eine vertraute Beziehung, nachdem ihn die Listenhund-Kampagne ins Tierheim gespült hat.

Beim Training ist eine erwartete Belohnung ausgeblieben. Janosch ist irritiert. Seine Erwartung wurde enttäuscht. Er zeigt seinen Zustand genauso an, wie ein Mensch, der sich verblüfft am Kopf kratzt. Dieses Verhalten kann man immer wieder bei intensivem Training beobachten.

Gegenwärtig neigt man zu der Ansicht, dass die Hauptfunktion von Dopamin nicht die Vermittlung des reinen Wohlbefindens ist. Es bewirkt vor allem eine hohe Aufmerksamkeit, die Lernvorgänge effektiv gestaltet. Deswegen ist der Reiz des Neuen mit schnellen Lerneffekten verbunden. Und deswegen sind die ersten Versuche mit dem Clicker oft am beeindruckendsten. Die Neuheit trifft auf Neugier, die stark motiviert. Die Aufmerksamkeit erhöhte durch das Dopaminsignal, sorgt für wirksames Lernen. Lernvorgänge finden im Langzeitgedächtnis statt, das auf chemischen Vorgängen basiert, die Zeit benötigen. Das dauerhafte Lernergebnis steht nicht sofort zur Verfügung. Studien sind eindeutig. Belohnte Zusammenhänge werden deutlich besser erinnert als unbelohnte. Auch aversive Zusammenhänge werden besser erinnert als neutrale. Das Kurzzeitgedächtnis, das ständig aktiv ist, wird von Belohnungen nicht beeinflusst! Das war ein überraschendes Ergebnis. Wir verstehen jetzt aber auch die Beobachtung, dass Trainingseinheiten manchmal recht zäh und mit wenig überzeugenden Fortschritten laufen können, der Hund trotzdem am nächsten Tag, das wichtigste scheinbar über Nacht gelernt hat. Ständige Wiederholungen gleicher Übungen stumpfen ab, der Lerneffekt geht gegen Null und man dümpelt zwischen Fehler A und Fehler B hin und her. Ein Überraschung im Training, wie sie obige Ergebnisse nahe legen, kann hier Wunder wirken. Insgesamt kann man hieraus Regeln eines guten Trainingsaufbaus ableiten.

Quelle: Bianca Wittmann, Diss. Magdeburg (2006)
Belohnung, Neuheitsdetektion und Gedächstnisbildung: Interaktion von dopaminergem Mittelhirn und medialem Temporallappen beim Menschen.
Zusammenfassung Volltext

Diese Zusammenhänge waren schon in Tierversuchen gefunden worden. Sie konnten hier durch funktionelle Magnetresonanz Bildgebung dreidimensional lokalisiert werden.




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